
Hikite
Das Zurückziehen der Hand beim Schlag wird Hikite genannt. Das Prinzip der Hikite folgt der Anschauung, dass eine Kraft eine Gegenkraft benötigt. Das traditionelle Karate betrachtet den Körper als in zwei Hälften unterteilt. Die Kontakt- oder Aktionsseite führt die Technik aus. Sie ist gegen das Ziel gerichtet. Diese Technik wird als "leer" verstanden. Die Basisseite ist jene, die eigentlich inaktiv scheint. Zu ihr wird entgegengesetzt zum Ziel Hikite ausgeführt. Diese Seite wird stark gespannt. Die Kraft des zurückgezogenen Arms ist rückwärts, einwärts und nach unten gerichtet. Hikite verstärkt die zum Ziel wirkende Technik und dient zum Abfangen des Rückstosses.
Karate praktiziert hier ein Prinzip des Zen-Buddhismus, das "conzept of zerro", das Konzept des leeren Geistes (mushin). Auf das Außen wird kein Gedanke verschwendet, das Innere ist unbewegt. Dies ist die Haltung des Mondes auf dem Wasser. Manchmal scheint sein Bild im Wasser bewegt, er steht dennoch still auf seinem Platz und bewegt sich doch. In Asien herrscht der Meinung vor, dass das Starke beständig im Gleichgewicht mit dem Schwachen zu halten ist. Diesem Gedanken folgt Hikite. Professor Nakayama sah das Zurückholen der Hand als eine Art Anlasser für den "Motor Hüfte", der die Technik startet. Er erklärte, dass das Zurückreißen der Hand die selbe Bahn beschreiben soll, wie das Vorstoßen. Stößt man geradlinig vor, vollführt die Hikite ebenfalls eine geradlinige Bewegung. Führt man eine bogenförmige Technik aus, muss auch die Hikite einen Bogen vollführen. (Vergleiche dazu: Nakayama, Best Karate)
Professor Nishiyama hingegen, spricht von "disconnection"; wenn der Ellenbogen bei Hikite
die Hüfte verlässt. Er ist der Meinung, dass die Konzentration auf die Hikite ein Mittel ist, um den Geist auf das Zentrum des Körpers zu konzentrieren.
Man unterscheidet unterschiedliche Arten der Hikite. Eine Form ist das Zurückziehen der Hand zur Hüfte, die Fingerseite nach oben gerichtet. Bei einer anderen Art wird die Hikite als Deckung genutzt.
Die Hikite, die zur Hüfte zurückgezogen wird, dient zum Abfangen des Rückstoßes und zur Stabilisierung der dem Schlag entgegengesetzten Rückenseite - Rückenmuskulatur. Es ist möglich die Hikite zum Ableiten eines Schlages zu nutzen oder den Gegner an sich heran zu ziehen.
Für Wurftechniken beim Baseball oder Handball etc. wird eine ähnliche Form benutzt. Hier ist es der Schwungarm, der die Rotation des Körpers aus der Hüfte unterstützen soll. Großes Ausholen, dem ein Heranziehen der Arme folgt, um eine Körper- oder Hüftrotation zu verstärken, kann auch in anderen Sportarten, wie Eiskunstlaufen und Tanzen beobachtet werden.
Die Technik für das Karate betrachtet, kann man Hikite auch als Schwungholen ansehen.
Soete
Nicht zu verwechseln ist Hikite mit Soete. Soete werden bei Doppelblöcken etc. angewandt. Hier findet man bei morote uke eine Hand als stützende Hand mit der Kleinfingerseite am blockenden Arm. Bei bassai uke stütz die offene Hand das Handgelenk der aktiven Seite und trägt so zur Erhöhung der Geschwindigkeit des Blocks bei. Die letzten beiden Formen werden als Soete (stützende Hand) bezeichnet (siehe Bild oben).






